
Der Freitag am 20. Januar ist noch jung, doch früh wird deutlich, dass das Wetter im sächsischen Leipzig alles andere als einladend ist. Schnelle Umschwünge von Hagel bis Sonnenschein bestimmen das Geschehen. Da kommt eine Abwechslung Recht, denn was könnte es nun besseres geben als ein Konzert? Wenn sich dann auch noch eine der erfolgreichsten Mittelalter-Rock-Bands anschiebt den Wochenausklang zu versüßen ist alles andere schnell vergessen.
Der Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gestaltete sich jedoch schwieriger, als anfangs vermutet. Daher mussten die letzten Meter zu Fuß zurückgelegt werden – doch man war nicht alleine! Viele Schandmaul Shirts und aufwendige mittelalterliche Trachten begaben mich in die passende Gesellschaft, die uns alle entlang verlassener Straßenzüge zum Rande des Auenwaldes führten, indem der Veranstaltungsort – passend betitelt mit Haus Auensee – lag.
Angekommen fand man bereits einen gut gefüllten Saal vor, dessen mögliche Besucherzahl zu einer der größeren Kategorien in Leipzig gehört. Das fröhliche und lautstarke Geprappel im Vorfeld verstummte rasch, als die Vorband BURN die Bühne betrat und mit ihrem Spiel begann, welches am ehesten mit einer Mischung aus Rock und Wave Einflüssen umschrieben werden kann. Und genau heute zum Beginn des nächsten Tourblockes konnten sie die offizielle Veröffentlichung des zweiten Albums „Black Magnolia“ feiern. Logisch, dass die Zuschauer einige Kostproben ergatterten. Das Werk fügt sich sehr gut an den Erstling „The Truth“ an, der vor weniger als einem Jahr erschien. Schon damals hatte das Quartett die Ehre die Traumtänzer-Tour zu begleiten. Die Zuschauer nahmen Burn trotzdem mit gemischten Gefühlen auf. Wahrscheinlich war dies darin zu begründen, dass man hier wesentlich weniger Feier-Potential vorfand als beim heutigen Hauptact. Nichtsdestotrotz waren alle Sinne auf die Bühne gerichtet und der Applaus bestätigte den soliden Auftritt. Stellenweise fühlte man sich dabei an Songs von Bands wie A-HA erinnert, die mit viel Gefühl und Eingängigkeit bestechen. Doch hier ist ein deutlich höherer Rock Anteil zu vermerken, welchen die Band mit einigen Gitarren Solis genüge tat. Unterm Strich also ein runder Beginn ohne Beigeschmack, doch man merkte das die Anwesenden nicht mehr länger warten wollten …

Nur wenige Minuten musste man sich noch gedulden, bis die Bühne für die Gäste aus München entsprechend präpariert wurde. Doch auf einmal wurde es im kompletten Saal finster und nur die Bühne wurde in dunkelblaues Licht gehüllt. Jubelschreie und Gesänge sollten die Folge sein und kündigten SCHANDMAUL standesgemäß an, die musizierend die große Bühne betraten. Die Mitglieder nahmen ihre Positionen ein und verzauberten die Zuschauer mit ihrem Bann aus mitreißendem Mittelalter-Rock und ergreifenden Texten. Nach der Begrüßung wurde Ally, die aufgrund des vorgeschrittenen Stadiums der Schwangerschaft Anna´s ihren Platz an der Violine einnahm, vorgestellt. Mit breiten Grinsen und blondem Haar, welches fast bis auf den Boden reichte, fügte sie sich perfekt in das Bild der restlichen Band ein. Obwohl dieser Wechsel 3 Konzerte früher erfolgte, hatte sie keine Probleme und spielte alle Songs, als ob sie nie etwas anderes tat. Ein ähnlicher Ersatz wird Schandmaul dieses Jahr wohl ein weiteres Mal bevorstehen, denn auch Birgit (Schalmeien, Flöte, Pfeifen und Gesang) wird das gleiche positive Schicksal ereilen. Doch auch ihr bereiteten die sichtlich neuen Umstände keine Hindernisse. Genauso wenig Sorgen musste sich das Sextett um die Stimmung machen. Ohne jegliches Zutun waren die Fans begeistert und erfreuten sich ausgelassen an jedem Lied. Und gemäß Ankündigung wurden viele Songs aus dem aktuellen „Traumtänzer“ Album gespielt. Höhepunkte waren dabei unter anderem „Auf hoher See“, „Hexeneinmaleins“, „Geas Traum“ und „Assassine“. Circa ein Jahr nach Veröffentlichung können mittlerweile nicht nur eingefleischte Fans die Texte lauthals mitsingen, welches von Sänger Thomas des Öfteren auch eingefordert wurde, in dem zunächst die männliche und später die weibliche Schar ihre Textsicherheit beweisen mussten. Doch auch „alte Kamellen“ gerieten nicht in Vergessenheit. Denn schließlich gehört zum Beispiel die „Walpurgisnacht“ einfach zu einem Auftritt dazu. Dabei wurde getanzt und eine Menge Spaß und Frohsinn verbreitet. Das der Feder Schandmauls nicht nur feierfreudige Lieder entspringen ist ebenfalls hinlänglich bekannt, so konnte zu „Dein Anblick“ mit Feuerzeugen mitgeschunkelt und vor allem wieder mitgesungen werden. Auch als die Band die Bühne verließ dachte niemand daran diese herzergreifende Ballade zu beenden und so stimmte Thomas mit seiner einzigartigen Stimme erneut in den Chor ein und gab damit den Startschuss für die letzten Lieder des Abends, in denen um die Hilfe des Publikums gebeten wurde. In Stufe eins sollten alle die Arme, wie eine Welle von links nach rechts bewegen. Bei Nummer zwei wurde dieser Zustand „eingefroren“, bis das Signal zum weitermachen gegeben wurde. Die dritte und letzte Stufe beinhaltete den Zombie-Modus, bei dem sich alle wankend auf den Nachbarn zu bewegen sollten, um ihn seines Herzens zu entledigen. Abschließend gab es ein kleines Dankesständchen, bis sich alle Mitglieder in den Armen lagen und mit einer La-Ola-Welle die circa 120 Minuten Spielzeit leider beendeten.

Doch es war noch lange nicht Schluss. Während sich Manche an den Schultern packten, um in einer Polognese Richtung Ausgang zu marschieren, wartete ein Großteil noch um Autogramme der Protagonisten zu bekommen und sich für den gelungenen Auftritt zu bedanken, der dem Preis von 29 Euro im Vorverkauf mehr als gerecht wurde. Mit ihrer gewohnten Sympathie und ihrer wunderschönen schnörkellosen Musik hat Schandmaul jeglichen Ruhm verdient und jeder der Gelegenheit hat sie zusehen sollte diese am Schopfe packen, denn Enttäuschungen sind nahezu ausgeschlossen!
Horns Up & Stay Metal
Dintypselon


