
Anfang Mai ist gleichbedeutend für viele Metalheads aus der Region von Hamburg mit einem eintägigen Ausflug nach Neu Wulmstorf, denn dort leitet das Metal Bash eine neue Open Air Saison ein. Was im Sommer zu einer großen Feier führt sollte doch auch zur kalten Jahreszeit kein Problem darstellen! Diesen Beweis wollten die Veranstalter offensichtlich antreten, indem sie das erste X-Mas Metal Bash ins Leben gerufen haben. Als Veranstaltungsort wurde dafür der Große Saal der Markthalle gewählt.
Die Eröffnung übernahmen SERPENTIC. Eine junge Band aus der Region Bad Oldesloe, die sich dem melodischen Death Metal verschrieben haben. Ohne großartig auf sich Aufmerksam zu machen betreten die Mitglieder nacheinander die Bühne und bringen die Bretter der Markthalle erstmalig heute zum beben mit einem sehr direkten Sound, der ins Ohr ging und bis auf weiteres auch dort zu verweilen schien. Mal etwas härter und im nächsten Moment verspielt und komplex. Serpentic schuffen mit ihrer Art des Melodic Death Metals ihre ganz eigene Athmosphäre. Zudem hatte das Sextett eine sehr gut abgestimmte Lichtshow und mit Jesper einen Fronter, der gesanglich auf ein großes Potbury von Möglichkeiten zurück zu greifen wusste, auch wenn er sich vom Aussehen her mit einem kurzen Haarschnitt und grauer Bekleidung vom Rest der Band abhob. Bisher kann Serpentic mit „Ghost Maniac“ eine Demo vorweisen, doch das Songmaterial reicht trotzdem für die 30 minütige Show. Die Damen und Herren legten mit ihrem Auftritt gut vor, denn der Growd applaudierte lautstark und selbst ein kleiner Moshpit gegen Ende blieb nicht aus.

Als zweites durfte eine ebenfalls junge Band antreten dort weiter zu machen, wo Serpentic aufhörten. Dabei wurde noch nicht einmal die erste Note gespielt und schon hoben die meisten Metalheads in den vorderen Reihen die Hände und forderten RABENWOLF! Die Pagan/Folk Metaler aus Stade unterstützten von der ersten Sekunde an ihren Ruf als gute Live-Band und brachten mit ihrem energiegeladenen Sound eine Menge Stimmung in die Markthalle – Flöte und Cello verlieh dabei der Musik den ganz eigenen Charme. Auch das Publikum wurde in die Show mit integriert, so konnte sich ein besonders treuer Fan der Band über sein persönliches Geburtstagsständchen freuen. Ein Weiterer bekam die Ehre zuteil patriotisch die große Fahne mit Stader Stadtwappen zu schwenken – eine nette Idee, die allerdings noch etwas unbeholfen aussah. Der dazu passende Song „Stethu“ war nur einer von vielen neuen Songs, welche die Horde den Zuschauern präsentierte. Dabei wurde deutlich, dass sich die Band verändert und weiterentwickelt, doch eins bleibt bestehen: Die hervorragende Stimmung!

Ab diesem Zeitpunkt wurde die moderne Musik der ersten beiden Vorreiter abgelöst durch die gute alte Schule. Wer dabei nur zuhörte, könnte meinen, dass ACDC die Bühne geentert haben, doch weit gefehlt, denn in Wirklichkeit handelt es sich um die Rocker von HARDBONE. Das Motto „100% Rock’n’Roll“ trifft dabei genau ins Schwarze. Auch ohne Musik konnte man dies anhand der Optik der einzelnen Mitglieder erahnen – Cowboy Stiefel und Karo Hemden waren angesagt! Die Zuschauer gönnten sich nach dem aufreibenden Beginn bei Hardbone allerdings eine kleine Verschnaufpause und begutachteten das Treiben aus etwas Distanz. Trotzdem gab das Quartett wieder alles und zeigte seine komplette Leidenschaft und Liebe zum Hardrock. In guter alter Manier witzelte Sänger Tim Dammann im norddeutschen Akzent sich durch die Zwischenansagen und hinterließ dabei einen sympathischen Eindruck. Jedem dem Hardbone gefallen hat, sollte sich den 13. April freihalten, denn da wird es die offizielle Release Party zum Nachfolger von „Dirty’n’Young“ geben.
Nach über 10 Jahren Bandgeschichte und dem 1000. Konzert in der Markthalle im September kehrten die Herren von KNEIPENTERRORISTEN heute Abend an diese Wirkungsstätte zurück. Ursprünglich gründete sich die Band im Jahre 1998 als reine Böhse Onkelz Cover Band, doch mit der Zeit entwickelten sie angelehnt an diesen Stil eigene Song und genau diese standen heute im Mittelpunkt. Die Party Band zog dabei alle Register mit ihren Trinkhymnen wie „Holstenfetischsten“ und „Was geht ab“. Alle Hamburger konnten dann lautstark bei „Hamburg wir stehn zu dir“ ihre Zugehörigkeit mit grölen. Nach der Verabschiedung und dem vermeintlich letzten Lied war dann natürlich noch lange nicht Schluss und da widmeten sich die Kneipenterroristen ihren Mentoren und spielten verschiedene Cover Songs, die beim Publikum sehr gut ankamen. Die vier Mannen um Veranstalter Jörn zeigten sich dabei sehr abgezockt und routiniert und wussten an welchen Stellschrauben sie zu drehen haben, um die Zuschauer auf ihrer Seite zu haben.

Mit der fünften und letzten Band TANKARD konnte man den ebenfalls fünften Musikstil am Abend begutachten. Wie bekannt sein dürfte widmet sich das Quartett dem Thrash Metal und das nicht seit gestern, sondern schon seit 1983. Scherzhaft bezeichnet die Band ihren eigenen Stil sogar als Alcoholic Metal, da die Inhalte ihrer Texte genau dieses Thema aufgreift, denn nicht umsonst heißt der Bandname übersetzt Bierkrug. Das letzte Album „Vol[l]ume 14“ liegt zwar schon ein Jahr zurück, doch mit 14 Silberlingen sollte es an Songs trotzdem nicht fehlen. Die Markthalle konnte daher beim Headliner den höchsten Besucherschnitt verzeichnen und auch die Stimmung ließ nichts vermissen. Auf dem Growd richteten sich die Mosher und Poger häuslich ein, um über die gesamte Spiellänge Tankard zu huldigen, während die Außenstehenden ihre Begeisterung mit Beifall zeigten. Der druckvolle und ständig voranpreschende Sound, der gepaart mit der Stimme von Gerre das Erfolgsrezept darstellt traf dabei scheinbar genau den Geschmack der Leute, die Tankard damit in positiver Erinnerung behalten werden.

Das X-Mas Metal Bash konnte genau wie in den wärmeren Tagen im Mai mit einer guten Mischung aus Genres glänzen, sodass für jeden mindestens eine Band dabei gewesen sein sollte. Auch das Preis-/ Leistungsverhältnis geht mit 20 Euro an der Abendkasse mehr als in Ordnung, zumal die Spielzeiten angenehm waren und alle Bands ihr Bestes gegeben haben und damit eine fröhliche und gute Atmosphäre hinterlassen wurde, die auch nach dem Ende von Tankard noch aufrechterhalten wurde. Eine gute Weihnachtsparty, die gerne im kommenden Jahr wiederholt werden kann.
Honrs Up & Stay Metal
Dintypselon


