
Nach einer Woche voller Regenschauern war man umso glücklicher als man am Morgen des 16. Julis wenig Wolken und strahlende Sonne vermerken konnte. Somit schuf Mutter Natur eine gute Ausgangssituation für das fünfte Black Way Open Air in Neuendorf.
Entlang vieler Betonbauten führten mich die verschiedenen S-Bahn Linien, bis man mit der Regionalbahn dem nördlichen Rand von Hamburg entschwindet und dabei über große Weiden fuhr. Im kleinen Städtchen Elmshorn angekommen standen am Taxistand bereits die Shuttle Transporte bereit, die seit diesem Jahr erstmalig angeboten wurden. Weitere 15 Kilometer mussten nun absolviert werden bis das Taxi, welches 17 € inklusive aller Mitfahrer kostete, an einer Feldschneise in Neuendorf halt machte und das Ziel erreicht ist. Von da sah man bereits die ersten Autoreihen, zwischen denen einige ihr Zelt aufschlugen.
Viel Zeit blieb jedoch nicht, denn so schnell wie möglich versuchte man sich von der Kasse und Bändchenausgabe zu lösen, um vor zur Bühne zu gelangen, denn von dort tönten bereits BURST MY MARROW aus den Lautsprechern. Die Mannen aus Buxtehude waren der Opener und hatten einen entsprechend schweren Stand – auch wenn sie nach der kurzfristigen Absage von Chosane etwas später anfangen durften. Viele begutachten die Metalcore Darbietung im Sitzen, doch eine handvoll Zuschauer wippte auch in den ersten Reihen passend zur Musik mit den Armen. Nach umfassenden Danksagungen am Ende des Gigs verließ die Erste von neun Bands die Bühne und hinterließen einen guten ersten Eindruck.

Nach einer etwas längeren Umbaupause ging es weiter mit ORPHEE. Die Truppe war in Ärzte mit blauen Kitteln und „Patienten“ mit weißer Zwangsjacke unterteilt. Während des Intros entfesselte sich Sänger Leo und stimmte damit auf die kommenden 45 Minuten Nu Metal ein. Der gemächliche Rhythmus, der in jedem Song mit explosiven und treibenden Momenten daherkam, ging Hand in Hand mit einer facettenreichen Stimme, die zwischen klarem Gesang, Brüllen, aber auch zartes Hauchen variierte. In den Zwischenansagen probierte Orphee sich das Irre beizubehalten, auch wenn dies teilweise zu übertrieben und gekünzelt war. Doch gerade die Passagen mit einer Menge Groove, die nicht selten von elektronischen Einflüssen begleitet wurden, konnten letztlich überzeugen.

Als Drittes im Bunde stieg der Bekanntheitsgrad merklich an, denn SUFFERAGE sind beiweiten nicht nur in und um Hamburg für ihren gnadenlosen Death Metal Sound bekannt. Alleine die Beteiligung an etwaigen namenhaften Festivals ist ein Indiz dafür. Ein weiterer Grund ist, dass sich viele Leute von ihrem Schwätzchen am Auto oder Bierstand unterbrechen ließen, um den Klang der vier Mitglieder direkt vor der Bühne zu lauschen. Dabei wurden messerscharfe Riffs und ein Wand an Oldschool Death Metal, der sich bis an die Grenzen des Grindcores kämpft, in die Zuschauer abgefeuert. So ein brutaler Sound sorgte nicht nur für reges Haarkreisen unter den Mitgliedern, sondern auch bei den Metalheads, die sich sogar erstmals mit einem kleinen Moshpit aktiv zeigten.

CRY MY NAME versuchte an die Stimmung ihrer Vorgänger anzuschließen, was ihnen jedoch bei Weitem nicht gelang. Dafür wirkten die Protagonisten der Metalcore Combo zu zaghaft und die Musik konnte mit wenig Abwechslung lediglich nickende Köpfe hervorrufen. Zudem fehlten die Vocals des weiblichen Gesangparts Hille. Doch man darf nicht alles schlecht reden, denn an den technischen Fertigkeiten gab es nichts zu bemängeln. Auch die Spielfreude merkte man der Band zweifelfrei an, aber der berühmte Funken fand am heutigen Nachmittag einfach nicht seinen Weg zum Publikum und so plätscherte der Auftritt vor sich hin, den die Meisten von etwas Entfernung aus begutachteten.

Zu dem Festivalgelände sei an dieser Stelle gesagt, dass es klein ist. Selbst als Besucher von familiären Veranstaltungen bleibt dieser Eindruck erhalten. Dennoch bietet es für die Größe alles, welches ein großes Festival auch bietet. Zu nennen wäre da der saubere Toilettenwagen, der ohne Mehrkosten benutzt werden konnte oder auch die Verkaufsstände, an denen Bands und Veranstalter ihre Ware anpreisten. Zudem konnte an einem Mittelalterstand Kleidung, Hornwaren oder Met erworben werden. Um Verpflegung musste man sich ebenfalls keine Gedanken machen, denn diesbezüglich konnte sich an Pizzas, Würsten, Nudelsalat und anderen Dingen gelabt werden. Die Preise beim Essen waren genau wie beim Trinken günstig und fair.
Nun durfte mit METADONE die Ersatzband für Gammalux einspringen. Mit ihrer Mischung aus Rock und Metal konnten sie wahrlich überzeugen. Auch wenn sich dies nicht in euphorischen Jubelschreien äußerte, so füllte sich der Bereich vor der Bühne immer mehr im Laufe des Auftritts. Auch die Beteiligung nach Aufforderungen von Fronter Marvin hielt sich in Grenzen, was der Stimmung innerhalb der Band keinerlei Abbruch tat. Ihre Musik erinnerte an alte Metallica Werke. Auch wenn dies vielleicht etwas zu hoch geriffen scheint, so war es der erste Gedanke, bei den dennoch frisch wirkenden und perfomden Songs. Zum Abschluss überwanden sich plötzlich doch einige Leute und feierten die Bremer gebührend.

Es ist schwer zu sagen welche Band Headliner beim Black Way Open Air dieses Jahr ist, denn mit JACK SLATER hat man eine deutsche Größe in Sachen Death Metal arrangieren können, was sicherlich ein driftiger Grund für viele war den heutigen Weg anzutreten. Dementsprechend härter ging es auch unter den Anwesenden zu, die sich wild durch die Gegend schoben und dabei die Pommesgabel gen Bühne richteten, um sich zu verausgaben. Die Texte, die sich vorwiegend um Themen wie Splatter und Horror drehen, spiegeln sich im brutalen und technisch anspruchsvollen Sound wieder. Auffällig ist, dass Fronter Stefan Horn seine Stimme hörbar verbessern konnte – durch unter anderem mehr Pig Squeals werden die Lieder noch abwechslungsreicher. Auch die typisch humoristischen Einlagen zwischen den Songs sind unverkennbar, dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass Jack Slater einfach nur ihre Liste runterprügelte. Dennoch konnte man nichts aussetzen, abgesehen von der etwas kurzen Spieldauer.

Es ist nun schon dunkel und die Bühne wird in Nebel getaucht, der keine Sicht mehr zulässt. Lediglich zwei helle Lichter rücken immer mehr in den Vordergrund und zu sehen sind der Schmied und Franzi von RAGNARÖEK mit Fackeln in der Hand, die sich im nächsten Augenblick zu einem heißen Feuerball verwandeln, der in den Nachthimmel peitscht. Noch im selben Moment erklingen die Mittelalter Rock Melodeien der Schweriner, die trotz einsetzender Schauer genügend Leute vor die Bühne ziehen konnten. Schon nach den ersten Tönen wird klar, wer den Acker des Black Ways beherrscht und Headliner ist. Die Zuschauer tanzten ausgelassen und sangen lauthals und textsicher mit. Die raue Stimme von Charon, der sich des Öfteren auch des Dudelsacks und der Mandoline bediente, kriecht dabei in die Gehörgänge und lässt die Metaler nicht mehr los. Während des Auftritts hatte eine Zuschauerin sogar die Ehre auf die Bühne zu kommen, um mit den Mitgliedern zu tanzen und zu feiern. Auch der Schmied verrichtete sein Werk als Anheizer standesgemäß. Trotz einer Zugabe war auch hier die Spielzeit leider etwas kurz, aber dafür konnten sich alle Fans trösten, denn mit dem Release des neuen Albums „Eiskalt“ steuern Ragnaröek im Herbst wieder Hamburger Gefilde an.

Weniger etwas zum Austoben, sondern mehr für die Augen gab es jetzt zu sehen, denn in der Zwischenpause zur vorletzten Band zeigte die Gruppe Aderos eine Feuershow. Die zwei männlichen Darsteller demonstrierten dabei ihre Künste zur musikalischen Untermalung zu Bands wie Nightwish und Rammstein. Dabei spielten sie abwechselnd mit dem Feuer, bis sie sich im Finale gemeinsam duellierten und dabei hohe Flammen ausstießen.

Das Festivalgelände war nun bedeutend leerer und BRAINDEAD 5 spielten vor wenigen Leuten. Da es sich mittlerweile eingeregnet hatte, suchten die meisten Gäste das Weite und stellten sich unter dem Merchandise Zelt oder anderen Dächern unter. Die Band bezeichnet ihren eigenen Stil als Death Braincore Monsterrock. Was sehr außergewöhnlich klingt, ist in Wirklichkeit eher uninspiriert und fast schon einfallslos. Wer im Vorjahr Hämatom erleben durfte, hatte hier das Gefühl es mit einer Coverband zu tun zu haben. Auch die Outfits erinnerten stark daran, wenn gleich auf diese offensichtlich viel Wert gelegt wurde. Zugegeben hatte die Band nach Ragnaröek einen schweren Stand, aber da wäre definitiv mehr drin gewesen!

Den Schlusspunkt setzten die Hamburger ROTTEN ABSCESS. Lediglich einem kleinen elitären Kreis, der hart bis zum Ende des Festivals durchgehalten hat, erschloss sich dieser Death Metal Gig. Die Band, die Anfang 2010 ihr erstes und bis dato einziges Album veröffentlichten, zockten sich durch ihre Setlist, die gepflastert ist mit harten Gitarren, Blastbeats und tiefem Grunzen. Da stören sich auch einige am Regen nicht mehr und lassen ein letztes Mal Arme und Beine fliegen. Nicht selten landeten dabei manche im Matsch. Wem dies zu dreckig war, der lies aber wenigstens die Haare fliegen, ganz im Stile des Festivals: Bang it your Way!

Wer Glück hatte, musste nun nicht lange Warten und konnte sofort in den Taxi Shuttle Richtung Elmshorn steigen oder bestellte dies zum Gelände. Von dort fuhren auch am späten Abend beziehungsweise frühen Morgen in regelmäßigen Abstände Züge in alle Richtungen und beendeten somit einen langen aber unterm Strich schönen Tag.
Fazit:
Das Black Way Open Air konnte einige Schritte nach vorne machen. Die Perlen im Line-Up überzeugten dieses Jahr mehr Metalheads sich dem Treiben in Neuendorf anzuschließen, wenn gleich dies nicht automatisch bessere Stimmung verheißen sollte. In diesem Punkt reagierten die Zuschauer hier sehr abwartend und zögerlich. Ansonsten waren trotzdem alle Bands und Metalheads positiv gestimmt. Das Festival konnte in dem Rahmen, welches es hergab, alles bieten und stellte zu dem Tageskartenpreis von nur 18 Euro eine lohnende Investition dar, welches für kommendes Jahr im Hinterkopf beibehalten werden sollte.
Horns Up & Stay Metal
Dintypselon



