Auch im Jahre 2011 gibt es wieder eine Flut an Festivals, die das erste Mal stattfinden oder sich allmählich in der Szene etablieren wollen. Eines davon ist das Sternenhallen Festival, das nun kurz vor der zweiten Auflage vom 11.-12. März steht. Hauptschwerpunkt ist hier Black Metal und als solches hat sich uns die Möglichkeit ergeben mit dem Veranstalter und Rhythmus Gitarristen des Headliners CTULU einige Fragen durchzuexerzieren, die die Gegenwart und die Zukunft der Band näher beleuchten sollen.
1. Hi Arne, ihr seid nun jetzt bereits seit 2004 im Geschäft, wie siehst du euren derzeitigen Entwicklungsstandpunkt, d.h. seht ihr euch noch als Underground Band oder bereits als eine gewisse Größe der Szene? Seid ihr damit zufrieden, was ihr bist jetzt erreicht habt?
Arne: Moin Sandrino! Nun ja, ich selbst bin erst seit 2008 in der Band und bis Ende 2010 hatten wir diverse Besetzungsprobleme und -wechsel, die uns das Fortkommen in der Vergangenheit mächtig erschwert haben. Richtig aktiv und zum Leben erwacht ist Ctulu auch erst 2006, als das erste Konzert in Hamburgs Markthalle anstand. Dennoch haben wir eine lange und bewegte Konzerthistorie hinter uns und dadurch kennen die Leute uns meist schon im Vorfeld, egal, wo wir gerade auftreten.
Die erste Platte hat auch durch Twilight einen ausgezeichneten Vertrieb, dadurch liest man unseren Namen natürlich auch öfters einmal. Das ist logischerweise sehr erfreulich.
Zum Thema unseres derzeitigen „Status“: Wir machen einfach unsere Sache, wie wir sie für richtig halten, und wenn die Leute das hören wollen, umso besser. Wir sind nicht angetreten, um uns zu profilieren, einen auf Rockstar zu machen oder irgendwelche konservativen „Werte“ zu schaffen. Im Endeffekt machen wir alle auch nur Rock’n'Roll und scheren uns nicht darum, was gesagt wird, wie „Black Metal“ zu sein oder nicht zu sein hat. Deshalb brauchen wir auch kein undergroundiges Kokettieren mit Rechts, weil unsere Musik zu langweilig wäre, als dass sie auch so genug aussagt. Wir limitieren uns auch nicht zum Underground. Musik wird nicht besser dadurch, dass sich ein selbsternannt „erlesener“ Kreis „exklusiv“ damit beschäftigt. Konzerte werden nicht, schon gar nicht für die Band, dadurch besser, dass da nur 50 Leute vor der Bühne stehen, die angepisst in die Gegend glotzen und den Durchdrehenden erzählen wollen, wie man sich zu benehmen hat. Wir hören öfters „Ich höre zwar kein Black Metal, aber euch fand ich geil“ und das ist uns tausend mal lieber als „Ich hab gestern die auf 4 Stück limitierte Arckanum-Platte gekauft und verglichen damit wart ihr gar nicht so Scheiße wie ich zuerst dachte“.
Wer braucht solch „gütige Kenner-Einschätzungen?“ Was soll dieser konservative Scheiß in einer Jugendkultur? Nichts anderes ist Metal im Endeffekt. Wer so drauf ist, soll die CSU wählen und uns nicht mit seiner ach so weltbewegenden Meinung von gestern langweilen! Deswegen ist Ctulus Credo: 100 Prozent für die Musik und kein Aufhalten mit dem konform gehen mit irgendeiner elitären Szenepolizei. Ob das nun Underground ist oder über die Genre-Grenzen hinweg Anhänger findet, ist uns völlig egal, solange es unser Auseinandersetzen mit der Musik widerspiegelt. Und, wie wir immer öfter erkennen, ist das dieselbe Einstellung, die auch unsere Hörer teilen!
Was etwas hinterher hing hinter den Auftritten, ist die Umsetzung der neuen Stücke auf Platte, was wir hoffentlich im April 2011 beim Ragnarök Festival nachholen können. Dort ist, wenn vertraglich jetzt alles klappt, die Releaseparty geplant. Das zweite Album „Sarkomand“ ist ein wichtiger und auch recht großer Schritt für die Band. Wir haben an jeder Ecke unserer Werke gefeilt und gearbeitet und sind stolz auf die acht Stücke, die wir den Horden da draußen nun auch endlich in angemessener Produktion um die Ohren prügeln können. Es ist ein Unterschied von Welten im Gegensatz zum Erstling „Freie Geister“ und ich bin sicher, dass wir damit in den Köpfen vieler Hörer hängen bleiben werden und wir den Eindruck, den wir live hinterlassen, auch rückwirkend auf Platte unterstreichen können.
Zufrieden ist man als Musiker im Prinzip nie, sonst würde man nicht derart viel in seine Band investieren, aber wir sind zumindest soweit, dass wir uns keine Versäumnisse aufgrund fehlenden Engagements vorwerfen müssen. Man spürt eine gewisse Rastlosigkeit, an jedem Detail der Band arbeiten zu müssen, aber wir sind da sicherlich auf einem richtigen Pfad derzeit.
2. Wenn man euch auf eurer Internetseite besucht wird man positiv beeindruckt sein, welch große Gigs die nächste Zeit anstehen. Da wären zum Beispiel das Ragnarök und das Black Troll Festival. Wie kam es denn dazu? Überwiegt momentan eher die Vorfreude auf die Konzerte oder doch eher Nervosität?
Arne: Ja, wir haben 2011 einen guten Konzertplan vor uns und sehen voller Vorfreude in die Zukunft. Die Konzerte dieses Jahr kommen auf verschiedene Art und Weise zustande. Das Black Troll Festival z.B. hat uns eingeladen, die zweite Kooperation mit dem Ragnarök fußt darauf, dass wir 2010 ja schon dort waren und einen schweren Platz in der Running Order abbekommen hatten. Nichtsdestotrotz haben wir den wilden Horden dort kompromisslos unser Material durch die Gehörgänge geschossen und trotz der späten Stunde (2 Uhr nachts) glich das Publikum eher einer stürmischen See als einer schlaftoten Meute. Das war für unsere Kompositionen natürlich die ideale Atmosphäre und wir konnten einen guten Einstand feiern auf dieser wirklich großen Bühne. Dieses Jahr sollen wir dann noch einmal mit einem besseren Platz in der Running Order ran.
Nervosität aufgrund des Auftrittes an sich kenne ich bei uns eigentlich nicht oder nur sehr selten. Ich denke, es besteht größerer Respekt vor technischen Fehlern oder dergleichen. Mieser Bühnensound ist leider ein häufiger Gegenspieler Ctulus. Aber wir sind da ja mittlerweile recht routiniert.
3. Beim baldigen Sternenhallen Festival bist du auch selber Veranstalter. Wie ist diese Idee gereift und was macht für euch den ganz besonderen Reiz aus, das eigene Festival als Headliner zu beenden?
Arne: Ich veranstalte seit 2006 Konzerte in Hamburg und die Idee, das Ganze einfach mal unter einen Hut mit Namen zu bekommen, liegt da doch recht nahe. Ich wundere mich viel mehr, dass ich da nicht früher drauf gekommen bin. Ein weiterer Grund für dieses Konzept ist die Zusammenarbeit mit dem Bambi Galore und seinem Team, welche sehr gut verlaufen ist und auch einfach Spaß macht. Da wir in Hamburg bisher immer extrem positiv aufgenommen wurden, bin ich zuversichtlich, dass auch das diesjährige Sternenhallen Festival gut besucht werden wird und wir dem Ganzen einen gebührlichen Abschluss verpassen werden. Auch wenn die Messlatte nach Eïs, Abstinenz und Konsorten ziemlich hoch liegen wird. 2010 war die Halle schon vor Einlass ausverkauft, das war selbstverständlich sehr geil für uns.
Das Festival ist natürlich auch eine Möglichkeit, sich die Bands heranzuholen, die man selbst gern sieht und sich um den Eintritt dazu herumzuschleichen, wenn man selbst veranstaltet.
4. Mit eurer Musik bewegt ihr euch sehr stark in der Black Metal Szene. Viele Zuschauer erwarten bei diesem Namen eine Menge Kunstblut und Corpsepaint verzierte Gesichter. Auf was können sich die Besucher, speziell beim Sternenhallen Festival, freuen?
Arne: Das Sternenhallen Festival bietet auch 2011 wieder ein sehr breites Spektrum an Spielarten des Black Metal, beziehungsweise Extreme Metal, denn Nebukadnezar, Abstinenz und irgendwo auch Ctulu lassen sich meiner Meinung nach nicht wirklich mehr als Black Metal bezeichnen. Natürlich gibt es auch Corpsepaint (zum Beispiel bei BlackShore). Wie gesagt, ist eine Band interessant für mich, hole ich sie heran. Dieses Jahr ist das Sternenhallen Festival, wie bereits aufgefallen sein sollte, übrigens zweitägig und Hamleypa sind für die Durchführung des Freitags zuständig. Auch ihnen soll hiermit gedankt werden für ihre Arbeit.
5. Momentan hat Ctulu zwei Demo-Cd`s und ein Album, was den Namen „Freie Geister“ trägt, veröffentlicht. Können eure Fans, nachdem 2 Jahre verstrichen sind, auf neues Material hoffen?
Arne: Wie oben bereits erwähnt, sitzen wir derzeit auf heißen Kohlen und erwarten sehnsüchtig das Release unseres Zweitwerks „Sarkomand“, welches auch schon seit geraumer Zeit gemischt und gemastert vorliegt. Man kann messerscharfe Riffs, tobende Trommeln und Klangwelten erwarten, die wie ein Seesturm alles hinfortfegen!
6. Trotz eures guten Albums, kann man laut eurer Myspace Seite sehen, dass ihr ohne Label seid. Gibt es dahin gehend schon Neuigkeiten und inwieweit behindert euch diese Situation in den Planungen für die Zukunft?
Arne: Wir haben gerade einen Partner gefunden, der uns einen sehr vorteilhaften Vertrag vorlegen wird. Demzufolge hat das ewige Warten, welches in der Tat hinderlich war, jetzt hoffentlich ein Ende. Noch ist nicht alles zu 100 Prozent spruchreif, doch wie gesagt, wenn alles nach Plan verläuft, wird im April auf dem Ragnarök Festival die Releaseparty des zweiten Full-Length-Albums „Sarkomand“ steigen und natürlich auch neues Merchandise vorliegen.
7. In euren Liedern verwendet ihr deutsche Texte. Was inspiriert euch bei den Inhalten am meisten? Gibt es in dem Punkt bei euch eine klare Struktur, wie die Songs entstehen?
Arne: Es hat sich seit „Freie Geister“ einiges getan. Mit Mathias und mir sind zwei gänzlich andere Texter jetzt hauptverantwortlich für die Themen und es gibt auch hier große Unterschiede zu unserer ersten Veröffentlichung. Auch Rolf, unser Sänger, wird in Zukunft an der lyrischen Ausrichtung der Band mitfeilen. Deshalb kann ich eigentlich auch momentan nur zu den Texten von „Sarkomand“ Stellung nehmen.
Als „Struktur“ ließe sich im Prinzip nur bezeichnen, dass bei uns zuerst das komplette Arrangement steht, bevor getextet wird. Das ist recht logisch, da sich so am besten die Stimmung der Musik im Text einfangen lässt und eigentlich auch nur mit einem fertigen Stück alle Facetten der Musik lyrisch widergespiegelt werden können. Inspiriert sind die Texte von diversen Werken Lovecrafts, allerdings natürlich auch von der Musik an sich. Wir haben bei „Sarkomand“ mehr oder minder versucht, die Stücke treffend mit Inhalten zu füllen; das ganze Klanggeschehen mit lyrischen Bildern zu versehen. Dass dabei ein recht gut erkennbarer roter Faden entstanden ist, war ein wenig Zufall, freut mich aber umso mehr, da ich viel für Symmetrie übrig habe. Es dreht sich viel um den Aspekt der Traumwelt, welche beispielsweise in Lovecrafts „Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath“ eingehend beschrieben wird, die Geschichten an sich sind allerdings meist Fiktion und nicht streng an etwas Bestehendes gehalten. Ein durchgehendes Element unserer Schreiberei ist allerdings auch die See, angesichts unseres Namens ist das ja leicht nachvollziehbar. Andere Einflüsse begegnen einem ständig und an jeder Ecke, „Mondsucht“ zum Beispiel ist auf Basis eines bekannten französischen Prosagedichts entstanden. Welches das ist, da darf der Hörer sich gern selbst Gedanken machen. Es soll ja auch Platz für Interpretationen bleiben.
8. Was zeichnet deiner Meinung nach den Sound von Ctulu aus? Was macht ihr zum Beispiel anders, als andere Bands?
Arne: Ctulus Sound… Dunkelheit. Durchdringender, panisch schneller, tiefer Herzschlag. Eine irrlichternde Flucht durch blutige Riffs, gepaart mit sonor stürmender See. Donnerndes Trommelgewitter bricht aus drohenden Wolkentürmen und umringt den Flüchtigen mit treibenden Flutenmassen. Der rasend bebende Körper erzittert unter markerschütternden Beschwörungen und vereinzelt hört man den verdammten Totenchor von Sarkomand in der Ferne. Unterbrochen wird die Flucht nur von angsterfüllten Pausen, die doch niemals zu beruhigen vermögen und am Ende ist es doch wieder nur die ungewisse Stille, die bleibt…
Ich denke, uns unterscheidet von vielen anderen Bands die Abwechslung, die wir in unseren Stücken unterbringen. Wir haben viel ausprobiert auf dem neuen Album, haben die Stärken von „Freie Geister“ ausgebaut und die Schwächen dezimiert. Wir haben immer schon Klangwelten erschaffen, die von einem Stilmix aus melodischem Black Metal, Thrash Metal, treibenden Elementen sowie anderen Genres geprägt waren.
Es gibt einige neue Elemente auf der Platte, die wir auch möglichst deckend bei unseren Live Zeremonien einbauen. Ich denke, wir werden mit dem neuen Album viele neue Anhänger finden, haben die alten Elemente, die den Grundsound der Band dominieren, aber natürlich auch beibehalten. Somit werden wir sicher auch die Maniacs erster Stunde nicht enttäuschen. Im Grunde ist es natürlich jedem Hörer selbst überlassen, sich ein Bild von unseren Stücken zu machen.
9. Was fasziniert euch am Black Metal? Besteht eventuell auch die Möglichkeit durch neue Einflüsse oder Experimente in eurer Musik, dass ihr euch in ein anderes Genre bewegt?
Arne: Wir schreiben recht livetaugliches und -orientiertes Material, welches dementsprechend schnell und intensiv sein muss. Black Metal ist das Grundelement dieser Mischung, da die meisten von uns damit aufgewachsen sind. Doch es gibt auch andere Einflüsse, Rolf zum Beispiel kommt eher aus dem Death-Metal-Bereich und bringt auch da neue Einflüsse mit. Ich denke, in unserem Sound ist noch vieles möglich und wir werden auch weiterhin mit neuen Elementen experimentieren. Die Kunst wird wohl sein, sich genug zu verändern, dass es einem selbst und den Anhängern nicht langweilig wird, aber gleichzeitig seinen Wiedererkennungswert zu wahren. Doch bevor man einen derart extremen Stilbruch wie Ulver zum Beispiel hinlegt, bin ich immer der Meinung, dass es dann Zeit für eine Umbenennung wird.
10. Wie sehen denn eure Pläne bzw. Visionen für die Zukunft genau aus?
Arne: Momentan geschieht sehr vieles. Wir arbeiten immer noch an unserem Bühnenbild, haben das dritte Album schon zur Hälfte geschrieben, wollen livetechnisch auf jeden Fall an dem anknüpfen, was derzeit passiert und produzieren neues Merchandise. Wir haben vor Kurzem ein Gitarrenendorsement von Emperion Guitars bekommen und ich erwarte immer noch sehnsüchtig mein Ctulu-Custom-Modell „Starspawn“, welches ich in Zusammenarbeit mit Mathias designt habe. Des Weiteren werden unsere Gewölbe im Netz gerade von Grund auf restauriert und wir planen einige Dinge auf dem multimedialen Sektor. Wir arbeiten gerade an einem regelmäßigen Newsletter, wer interessiert ist, darf gern eine Mail an arne@ctulu.de schicken. Im Mai steht ein Radiointerview bei Metal Only an und, und, und…
Ich könnte so noch länger weitermachen, aber das soll erst einmal genügen. Wo ich das gerade so aufzähle, fällt mir selbst erst auf, wie viel Zeit wir eigentlich in dieses Projekt investieren. Auf jeden Fall stehen wir nach wie vor unter Strom und sind aktiver als je zuvor und schlussendlich ist am 21.12.2012 übrigens Ende des Maya-Kalenders und Spekulanten behaupten, die Sterne stünden dann richtig und Cthulhu würde an jenem Tage auferstehen. Dafür sind wir selbstverständlich in der Pflicht, einen entsprechenden Empfang vorzubereiten, haha!
11. An dieser Stelle möchte ich mich für das Interview bedanken und freue mich, dass du die Zeit gefunden hast unseren Lesern einen Einblick zu geben. Hermodur wünscht euch mit dem Sternhallenfestival und vor allem mit Ctulu weiterhin viel Erfolg. Die letzten Worte gehören dir.
Arne: Ich habe zu danken! Außerdem möchte ich die Gelegenheit nutzen, Paulo, David (Leder Weigel), Lasse, Benjamin, Michele (Emperion Guitars) und jedem, der uns sonst unterstützt, für seine derzeitige Hilfe zu danken. Ohne euch wären viele der momentanen Errungenschaften nicht möglich! Und nicht zuletzt soll ein großer Dank an unsere Anhänger rausgehen, die sich einen Scheiß um elitären Konformisten-Black-Metal scheren!!!
IA CTULU!




Gefaellt mir, dass hier oft geschrieben wird.